6-jährige Grundschule - Längeres gemeinsames Lernen:

Wie schnell ein schulpolitisches Thema wieder verschwinden kann, sieht man an dem Themenbereich 6-jährige Grundschule:

  • Als ich das Portal Bildungspolitik-Schulpolitik eingerichtet habe, war es die 6-jährige Grundschule das Thema. Im Grunde ging es darum, die Schüler länger gemeinsam lernen zu lassen und eine Schulformwahl erst nach 6 Jahren durchzuführen.
  • Inzwischen werden einige aber gar nicht mehr wissen, worum es eigentlich ging.

Ein Hintergrund mag sein, daß in einigen Bundesländern inzwischen die verpflichtende Grundschulempfehlung abgeschafft wurde, so daß das Thema mittelbar an Relevanz verloren hatte. Hinzukommt, daß nach der verlorenen Volksabstimmung in Hamburg das Thema vielen Politikern/Parteien auch zu brisant geworden sein dürfte...

Status Quo der 6-jährigen Grundschule:

Status Quo ist, daß es die 6-jährige Grundschule bereits gibt: In Berlin.

Schulpolitisch dürfte die 6-jährige Grundschulzeit als Alternative zum bestehenden 4-jährigen Grundschulsystem indes nach der verlorenen Volksabstimmung in Hamburg - zumindest fürs Erste - erledigt sein:

  • Die Parteien, die sich die 6-jährige Grundschulzeit schulpolitisch auf die Fahnen geschrieben haben, dürften fürs Erste zurückhaltend sein, da es ja schon einen außergewöhnlicher Vorgang darstellt, wenn ein Parlament einhellig eine Schulreform durchzupeitschen versucht und dann im Wege der direkten Demokratie zurückgepfiffen wird.

Andere Bundesländer, die ebenfalls in den Startlöchern für grundlegende Reformen im Schulbereich lagen, lassen derzeit keinen Reformeifer erkennen. Nicht einmal von Schulversuchen (bspw. vormals NRW) hört man mehr.

Ausblick zur 6-jährigen Grundschule:

Ob die 6-jährige Grundschule eines Tages doch noch kommen wird, erscheint bildungspolitisch zumindest in einigen Regionen Deutschlands durchaus als offen.

Argumentiert wird von den Befürwortern der 6-jährigen Grundschule immer wieder, daß Kinder zu früh separiert werden und auch andere Länder außerhalb Deutschlands vergleichbare Systeme eines längeren gemeinsamen Lernens aufweisen. Angesichts des PISA-Schocks wird gerade Letzteres gerne als Grundlage für eine grundlegende Reform angemahnt.

Demgegenüber hat sich das 4-jährige Grundschulsystem in Deutschland etabliert und Berlin steht als Beispiel für eine 6-jährige Grundschule keineswegs an der Spitze bei Ländervergleichen (auch wenn dies sicher eine Vielzahl von Gründen hat). Mit dem Regulativ der Orientierungsstufe (Klassenstufen 5 und 6) sind die meisten Bundesländer zudem in diesem Übergangszeitraum noch durchlässig für Schulwechsel.

6-jährige Grundschule und weitergehende politische Überlegungen:

In Wahrheit dürfte hinter der politischen Diskussion über die 6-jährigen Grundschule ohnehin noch viel mehr stecken:

  • Oftmals wird die 6-jährige Grundschule von Gegnern einer verbindlichen Schulformempfehlung am Ende der Klassenstufe 4 angeführt, die zwar grundsätzlich für eine Schulformdifferenzierung eintreten, aber "noch nicht am Ende der Klassenstufe 4".
  • Geht man einen Gedankenschritt weiter, gelangt man zu den Befürwortern einer 6-jährigen Grundschulzeit mit anschließend freier Schulformwahl.
  • Und geht man noch einen Gedankenschritt weiter, dann ist die 6-jährige Grundschule natürlich auch ein erster Schritt für eine völlige Aufgabe der Schulformdifferenzierung: Wer schon 6 Jahre gemeinsam lernt, der ist auch nicht weit davon entfernt, auch den Rest seiner Schulzeit in einer Gesamtschule oder neuerdings Gemeinschaftsschule zu verbringen.

Insofern ist die Diskussion über die 6-jährige Grundschulzeit zum Teil eine Diskussion über ganz andere Themen:

Insofern ist ja auch durchaus interessant, daß neuerdings nicht mehr von der 6-jährigen Grundschule, dafür aber um so mehr von der Gemeinschaftsschule die Rede ist, die ja im Ergebnis eine Fortsetzung der Grundschule bis zum Ende der Schulzeit ist.