Oberschule - Zusammenlegung von Realschule & Hauptschule:

Oberschule & zweigliedriges Schulsystem  - Begriffsbestimmung:

Unter zweigliedrigem Schulsystem versteht man ein gegliedertes Schulsystem in weiterführenden Schulen, das nurmehr aus dem Gymnasien und einer weiteren Schulform besteht, bei der Realschule und Hauptschule zu einer gemeinsamen Schulform (unter verschiedenen Bezeichnungen - neuerdings vor allem unter dem Begriff Oberschule) zusammengefaßt werden

Dies steht im Gegensatz zum sogenannten dreigliedrigen Schulsystem von Gymnasium - Realschule - Hauptschule.

Im  Ergebnis wird man das zweigliedrige Schulsystem als Abschaffung der Hauptschule verstehen können, die in der Realschule aufgeht.

Entstehung des zweigliedrigen Schulsystems:

Das zweigliedrige Schulsystem gibt es in Deutschland bereits seit 1990: In Ostdeutschland gab es nämlich vormals die POS (Polytechnische Oberschule) als eine Art Gemeinschaftsschule mit einheitlichem Schulabschluß und hieran anschließend die EOS (Erweiterte Oberschule) mit dem Ziel Abitur. Nach der Wiedervereinigung wurde dies insofern modifiziert. als von Beginn an an Stelle der EOS ein zweigliedriges Schulsystem mit Gymnasien und einer einheitlichen Schule aus Realschule und Hauptschule in den neuen Bundesländern etabliert wurde.

Auch in anderen Bundesländern gibt es heute Schularten, die Realschule und Hauptschule zusammenfassen - beispielsweise:

Hierbei ist allerdings zu beachten, daß nicht alle Bundesländer, die eine Schulform aus Realschule & Hauptschule anbieten, damit auch die Realschulen und Hauptschulen in eigener Form abgeschafft haben. Hessen bietet beispielsweise Hauptschulen, Realschulen und Mittelstufenschulen (als Verbund aus Haupt- und Realschulen) an und hält demnach am 3-stufigen Schulsystem fest.

Die sogenannte Oberschule:

In der politischen Diskussion ist die sogenannte "Oberschule", die das Ziel einer bundesweiten Etablierung eines zweistufigen Schulsystems aus Gymnasium & Oberschule (Hauptschule & Realschule) zum Inhalt hat (Zwei-Wege-Modell).

Schulpolitischer Hintergrund - Abschaffung der Hauptschule:

Zum Gegenstand der Bildungspolitik/ Schulpolitik wurde das zweigliedrige Schulsystem auf Grund demographischer, sozialer und wirtschaftlicher Zwänge:

Die Hauptschule, die nämlich vormals tatsächlich als "Hauptschule" agierte, indem die überwiegende Anzahl der Schüler sie besuchte, hat über die Jahre an Reputation eingebüßt. Hierdurch und aufgrund erhöhter Anforderungen des Arbeitsmarktes sind die Schülerzahlen in Hauptschulen kontinuierlich zurückgegangen.

Einige Bundesländer (insb. Baden-Württemberg & Bayern) haben sich auf die politische Fahne geschrieben, diesen Kampf aufzunehmen und setzten erhebliche Anstrengungen in Reformen des Hauptschulsystems:

  • Die Tendenz geht dahin, Hauptschulen zusammenzulegen und diese zugleich aufzuwerten, indem auf Hauptschulen künftig ein dem Realschulabschluß vergleichbarer Schulabschluß angeboten wird (bspw. Baden-Württemberg mit dem Werkrealschulabschluß), der dann bei einem Verbleib im Schulsystem den Zugang zu darauf aufbauenden Abschlüssen gewährleisten soll.
  • Das Problem besteht darin, die Befürchtung auszuräumen, daß die Wirtschaft nach wie vor zwischen Abschlüssen differenzieren wird, die auf einer Hauptschule oder die auf einer Realschule erworben wurden und Abschlüsse wie der "Werkrealschulabschluß" in BW auf dem Arbeitsmarkt dann eben doch nicht gleichwertig sind.
Durch den Regierungswechsel in Baden-Württemberg sind die dortigen Anstrengungen allerdings zu Gunsten des Versuchs eine Gemeinschaftsschule zu etablieren, auf Eis gelegt worden.

Andere Bundesländer (bspw. Rheinland-Pfalz) sind demgegenüber den Weg gegangen, Haupt- und Realschulen zusammenzulegen, was natürlich wiederum bei den Eltern auf wenig Gegenliebe stößt, deren Kinder bisher Realschulen besuchten und die nunmehr befürchten, daß das Niveau durch die Zusammenlegung absinkt. Insofern zeigte sich, daß nicht nur Eltern von Gymnasiasten die natürlichen Gegner einer Gemeinschaftsschule sind, sondern auch eine Stufe tiefer - bei den Realschulen - durchaus Protestpotential vorhanden ist.

Schulpolitischer Ausblick - aktuell "die Oberschule":

Eine rote Linie ist derzeit nicht zu verzeichnen:

  • Es gibt Länder, die schon seit jeher nur ein zweigliedriges Schulsystem kennen (die neuen Bundesländer) und bei denen gar keine schulpolitische Diskussion aufkommt.
  • Es gibt Ländern, bei denen das zweigliedrige Schulsystem eingeführt wurde (bspw. Rheinland-Pfalz) und bei denen hiernach politische Diskussionen (ggf. teils aber auch aus einer Resignationshaltung vergleichbar zur Einführung von G8) weitgehend verstummt sind.
  • Es gibt Länder (bspw. Hessen), die neben dem dreigliedrigen Schulsystem (Gymnasium-Realschule-Hauptschule) nunmehr auch eine Mittelstufenschule (Realschule-Hauptschule) anbieten.
  • Es gibt Länder (Bayern, Baden Württemberg), die noch Hauptschulen weiterführen.

Die aktuelle politische Diskussion um die Einführung einer Oberschule hat diese etwas verschlafene politische Diskussion wieder zum Leben erweckt, da nunmehr offenbar wahrgenommen wird, daß die Hauptschulen endgültig in Gefahr sind.

Hierbei melden sich nunmehr nicht nur besorgte Eltern zu Wort, die eine Aufweichung der Gymnasien und Realschulen befürchten, sondern auch die Schulen selbst, die um ihre Funktionsfähigkeit bzw. ihren Bestand fürchten.

Hauptargument für den Erhalt des dreistufigen Schulsystems ist, daß es einen gewissen Prozentsatz von Schülern gibt, der selbst in Hauptschulen nicht die Leistungen erbringt, die das Schulsystem eigentlich erfordert. Wechseln diese in eine Oberschule, dann besteht die Befürchtung, daß das Niveau der vormaligen Realschüler sinkt und die vormaligen Hauptschüler überfordert werden. Zugleich befürchten auch die Gymnasien, daß Realschüler aus Furcht vor einer Zusammenlegung mit Hauptschulen dann in die Gymnasien wechseln und deren Niveau herabsetzen.

Insgesamt bewegen sich auch hier die unterschiedlichen Sichtweisen auf der Ebene der Befürworter einer gemeinsamen Beschulung verschieden leistungsfähiger Schüler und solcher, die auf eine Differenzierung setzen. Ähnlich ist dies ja auch bei der Gemeinschaftsschule, bei der Befürworter argumentieren, daß verschieden leistungsstarke Schüler voneinander profitieren, während deren Gegner befürchten, daß stärkere Schüler dann nicht mehr hin reichend gefördert werden.