Inklusion Baden Württemberg:

Mit am spannendsten werden sicher die Neuregelungen zum sonderpädagogischen Förderbedarf in Baden-Württemberg sein.

Dies schon aus dem Grunde, da Baden-Württemberg bereits in der Vergangenheit im Bereich sonderpädagogischen Förderbedarfs zu den liberalsten und fortschrittlichsten Bundesländern gehörte und demnach die Erwartungen entsprechend hoch sind.

Vermutlich wird der "Stresstest" auch nicht bei normativen Regelungen gemacht, sondern bei der praktischen Umsetzung:

Fakt ist, daß rechtliche Auseinandersetzungen um sonderpädagogischen Förderbedarf sich meist um den Aspekt drehen, ob "Grenzfälle" in Regelschulen beschulbar sind. Dabei handelt es sich meist um Kinder mit ADHS oder anderen Verhaltensauffälligkeiten. Hierbei fühlen sich bereits heute Schulen massiv überfordert und versuchen solche Kinder mitunter "loszuwerden", d.h. auf Sonderschulen abzuschieben. Nicht selten wird dies auch durch Mobbing von Mitschülern flankiert, die (oftmals motiviert durch ihre Eltern) solche Schüler nicht haben möchten.

Kurzum: Wenn Schulen und auch Eltern bisher in durchaus beachtlichem Umfang versuchten, bereits solche Grenzfälle "loszuwerden", so erscheint eine "verordnete Offenheit" gegenüber solchen Schülern - und vor allem noch gravierenderen Fällen - sehr ungewiß. Hierfür spricht auch, daß Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Abschaffung von Förderschulen mitunter gar nicht wünschen, weil sie befürchten, daß ihr Kind in einer Regelschule keineswegs gut aufgehoben ist, d.h. "dem Braten mißtrauen".

Es bleibt bei einem "Streßtest" demnach zu befürchten, daß man den zweiten vor dem ersten Schritt macht und demnach eine - gesellschaftlich sicherlich wünschenswerte - Akzeptanz sogar noch erschwert.

Hierfür spricht auch, daß man mit der Inklusion ein schwieriges Thema angeht, während überhaupt nicht in der Diskussion steht, wie mit Kindern mit Teilleistungsstörungen (Legasthenie, Dyskalkulie usw.) umzugehen ist. Diese werden im schulischen Bereich massiv benachteiligt, ohne daß sie auch nur ansatzweise in die politische Diskussion geraten.