Gemeinschaftsschule Baden Württemberg

Als neue Schulform soll in Baden Württemberg die sogenannte Gemeinschaftsschule etabliert werden.

Voraussichtlich werden Adressaten für die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen vor allem derzeitige Haupt-/Werkrealschulen sein, die ihre Schulform in eine Gemeinschaftsschule ändern dürfen/sollen.

Inhaltliche Ausgestaltung der Gemeinschaftsschule Baden Württemberg 

Noch nicht abschließend klar ist derzeit die konkrete Ausgestaltung der Gemeinschaftsschulen:

Die Aussagen scheinen derzeit darauf hinzudeuten, daß die Gemeinschaftsschulen Baden-Württemberg durchgängig auf eine Binnendifferenzierung verzichten möchten. D.h. Kinder sollen (wie in der Grundschule) ab der Klassenstufe 5 bis Klassenstufe 10 unabhängig von der Leistungsstärke gemeinsam unterrichtet werden. Eine Hintertür wie in NRW, das man nach der Orientierungsstufe ggf. eine Leistungsdifferenzierung nach Kursen wie in Gesamtschulen vornimmt, konnte ich zuletzt nicht mehr heraushören.

Gleichsam wird für die Gemeinschaftsschule eine individuelle Förderung jedes Kindes kommuniziert, ohne daß klar ist, wie dies gerade in einer solch heterogenen Schulform geleistet werden kann, während Lehrer dies ja nicht einmal für einzelne Schüler in vergleichsweise homogenen Klassen in Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien erreichen können.

Was die Abschlüsse anbelangt, so werden derzeit der Hauptschul- und Realschulabschluß kommuniziert, während es den Werkrealschulabschluß nicht geben soll. Perspektivisch sollen Gemeinschaftsschulen ggf. auch Oberstufen und Abitur anbieten. 

Kritik zur Gemeinschaftsschule Baden-Württemberg:

Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Realisierbarkeit der Ideen der Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg:

Die Gemeinschaftsschule startet ja nicht bei Null, sondern baut auf den Grundschulen auf, so daß es durchaus sinnvoll gewesen wäre, erst einmal im Grundschulbereich zu erforschen, wie leistungsschwache und leistungsstarke Schüler voneinander profitieren können und wie man die Schüler gleichzeitig individuell fördern kann, bevor man sich einfach hinstellt und so tut, als müsse man das nur einfach wollen.

Insofern ist aus meiner Sicht auch nicht verständlich, warum man die Idee Gemeinschaftsschule nicht einfach von unten nach oben aufbaut: D.h. man hätte mit der Umsetzung der einfach zu erklärenden Idee ja im Grundschulbereich beginnen können und wenn es funktioniert dann darauf aufbauend Gemeinschaftsschulen errichten können. Diese wären dann nur eine Fortsetzung dieser Idee. Jetzt schafft man mit der Gemeinschaftsschule quasi aus dem Nichts eine Idee ohne daß im "Unterbau Grundschule" entsprechende Ansätze erkennbar wären.

Völlig unklar ist auch die praktische Umsetzbarkeit, da Lehrkräfte für solch eine Art Unterricht ja gar nicht ausgebildet wurden.

Dies gilt erst recht unter dem Aspekt, daß zusätzlich und exklusiv für die Gemeinschaftsschule auch die individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers versprochen wird. Dies war bisher ja nicht einmal in homogenen Lerngruppen für eine nennenswerte Zahl von Mitschülern dankbar. Wie soll dies in heterogenen Klassenverbänden für alle (!) möglich sein?

Zuletzt ist unverständlich, warum die Gemeinschaftsschule ohne Not offenbar in Konkurrenz zur Werkrealschule treten soll, wenn in der Gemeinschaftsschule nur der Hauptschulabschluß und Realschulabschluß angeboten werden sollen. Was passiert mit einem Schüler, der in der Gemeinschaftsschule den Realschulabschluß nicht schafft? Da wäre es ja besser die Werkrealschule zu besuchen.

Der Nutzen für künftige Gymnasiasten bleibt gleichsam völlig offen, denn die Gemeinschaftsschule müßte schon recht groß sein, die tatsächlich eine eigene Oberstufe anbietet. Das scheint mir auch künftig sehr unrealistisch. Warum soll also jemand, der das Abitur anstrebt, zuvor eine Gemeinschaftsschule besuchen?

Kurzum stellen sich durchaus zahlreiche brennende Fragen, die die Politik beantworten muß, wenn die Idee Gemeinschaftsschule breite Akzeptanz erhalten soll.