G8 Gymnasium - das Turboabitur:

Unter G8 versteht man ein achtjähriges Gymnasium von den Klassenstufe 5-12 während man vormals das Abitur erst im Anschluß an die Jahrgangsstufe 13 erlangte.

Zur Einführung des G8 Gymnasiums:

Das G8 Gymnasium ist - zumindest was dessen Einführung betrifft - schulpolitisch ein alter Hut.

Zur Erinnerung sei daran erinnert, daß das G8 Gymnasium schulpolitisch insbesondere damit kommuniziert wurde, daß die schulische und universitäre Ausbildung in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern viel zu lange dauere, was Wettbewerbsnachteile mit sich bringe. Nachdem schon in den 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die universitären Studiengänge gestrafft wurden, war wenig später die Schule dran.

Gegner des G8 führten unter anderem an, daß Deutschland ein Schulsystem mit einer breiter angelegten Bildung als andere länder hat, was nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden solle. Daneben wurde vor allem auf die wachsende zeitliche Belastung der Schüler verwiesen.

Wer etwas über den Tellerrand schaute, der verwies auf einen Grund für G8 auch außerhalb der Schulpolitik: Die Rentenkasse ist nicht erst seit heute klamm und die Politik ist darauf angewiesen, daß potentielle Rentenzahler möglichst frühzeitig in die Rentenkasse einzahlen und möglichst spät ausscheiden, damit das Rentensystem in der bisherigen Form noch möglichst lange funktioniert. Insofern mag die Vermutung, die Einführung von G8 habe tatsächlich auch einen sozialpolitischen Hintergrund gehabt, durchaus auch mehr als eine "Verschwörungstheorie" sein.

Problemfelder des G8:

Die Einführung des G8 wird - zumindest was die schulpolitischen Bedenken betrifft - bisher überwiegend so bewertet, wie dies die G8-Gegner prophezeiten: Eine Überfrachtung des Lehrplans und überforderte Schüler.

Eine Zeit lang konnte man in Fernsehsendungen allwöchentlich Reportagen von Schülern sehen, die weniger Freizeit als ihre werktägigen Eltern zu haben schienen. Dies wurde dadurch verstärkt, daß viele Familien einen direkten Vergleich durch Geschwisterkinder dokumentieren konnten, die noch in den Genuß von G9 kamen.

Soweit erkennbar, wird inzwischen eine geringfügige Besserung wahrgenommen, die wohl darauf beruhen dürfte, daß es den einzelnen Bundesländern (nach jahrelangem Kampf) gelungen ist, die Lehrpläne der verringerten Schulzeit etwas besser anzupassen und auch Lehrer sich hieran verstärkt orientieren.

Ungeachtet dessen ist G8 nach wie vor eine erhebliche zeitliche und inhaltliche Belastung für die Schüler, was auch dadurch dokumentiert wird, daß Gymnasien immer mehr als Ganztagsschulen betrieben werden, was keineswegs nur ein "Entgegenkommen" gegenüber berufstätigen Eltern bedeutet, sondern vielmehr der Realität geschuldet ist, daß die Schüler ja bereits fast den ganzen Tag in der Schule sind und man das Kind folglich beim Namen benennt. Mitunter ist übrigens zu beobachten, daß sich Eltern genau aus diesem Grunde auch der Einführung von Ganztagsschulen widersetzen, weil Kinder dann oftmals noch weniger Nachmittage als zuvor frei haben. Für Vereine usw. ist diese Entwicklung mitunter katastrophal.

Die Befürworter von G8 - mit dem Hinweis auf die Vorteile einer verkürzten Schulzeit - sind jedenfalls nach wie vor in der Minderheit, was zahlreiche Umfragen belegen.

Abschaffung des G8 - Wiedereinführung von G9?

Die schulpolitische Tätigkeit vieler G8-Initiativen viele Jahre nach Einführung des G8-Gymnasien ist bemerkenswert und belegt auch die soziale Brisanz.

Vorwiegend sind die G8-Initiativen nach wie vor damit beschäftigt, die inhaltliche und zeitliche Belastung der Schüler gering zu halten und Lösungen für die Doppeljahrgänge (letzter G9-Jahrgang und erster G8-Jahrgang) zu erreichen.

Allerdings gibt es durchaus Bundesländer (bspw. Hessen), die einem Bedürfnis nach Wahl zwischen G8 und G9 Gymnasien nachkommen. Dies ist schulpolitisch auch nach wie vor in Bundesländern in der Diskussion, die eine solche Alternative zu G8 nicht anbieten.

G8-G9 parallel?

Ob Parallelangebote zwischen G8 und G9 die künftige politische Lösung sind, darf indes bezweifelt werden:

  • Zum einen schafft man hierdurch 2-Klassen-Gymnasien und erschwert auch den Übergang zwischen den einzelnen Gymnasien, wie dies ja im Rahmen von Umzügen alltäglich ist.
  • Im übrigen trägt dies natürlich zu einer weiteren Zerklüftung des bereits jetzt mehr als unübersichtlichen Schulsystems bei.

Und rein faktisch ist die Nachfrage nach Parallelangeboten keineswegs groß, wie aktuell NRW zeigt.