Vor Schulbeginn - Einschulungsuntersuchung, Sprachförderung usw:

Während in früheren Jahren die Kinder erst kurz vor Schulbeginn rechtlich und tatsächlich erfaßt wurden, geht die politische Tendenz derzeit ganz eindeutig an eine möglichst frühzeitige Erfassung der kommenden Schüler. Dies ist im Rahmen von Einschulungsuntersuchungen, aber auch sprachlicher Frühförderung erkennbar:

Einschulungsuntersuchung:

Die Einschulungsuntersuchung erfolgte traditionlell erst wenige Monate vor Beginn der Schulpflicht des betreffenden Kindes. Dies geschah vor dem Hintergrund, daß die Feststellung der Schulreife oder auch eines etwaig erforderlichen sonderpädagogischen Förderbedarfs natürlich um so aussagekräftiger ist, je näher die Einschulungsuntersuchung am tatsächlichen Schulbeginn liegt. Gerade in diesem Alter geschehen kognitive, gesundheitliche oder sozial-emotionale Fortschritte in erheblichem Umfang.

Es ist allerdings eine politische Tendenz erkennbar, die Einschulungsuntersuchungen nach vorne verlagert:

So hat beispielsweise Baden-Württemberg die Verordnung zur Durchführung schulärztlicher Untersuchungen sowie zielgruppenspezifischer Untersuchungen und Maßnahmen in Tageseinrichtungen für Kinder und Schulen ("Schuluntersuchungsverordnung") am 26.11.2008 völlig neu gefaßt und führt die Einschulungsuntersuchung seither zweistufig aus:

  • In einem ersten Schritt werden die Kinder bereits 24 bis 15 Monate vor der termingerechten Einschulung erfaßt (§ 2 Abs. 3 Nr.1 Schuluntersuchungsverordnung).
  • In einem zweiten Schritt erfolgt (wie bisher) eine Kontrolle "in den Monaten vor der Einschulung" (§ 2 Abs. 3 Nr. 2 Schuluntersuchungsverordnung).

Dies ist schon eine erhebliche Vorverlagerung der Erfassung der Kinder im Zuge der bevorstehenden Schulpflicht und wird mit "eventuell erforderlichen Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung" begründet.

Tipps zur Einschulungsuntersuchung in praktischer Hinsicht erhalten Sie über meinen Servicebereich Schultipps. Näheres zu den rechtlichen Aspekten der Einschulungsuntersuchung mit weiteren Links zu den einzelnen Bundesländern entnehmen Sie bitte meinem Serviceportal Schulrecht.

Sprachliche Frühförderung:

Daß es sich im Ergebnis neben dieser allgemeinen Einschätzung des Kindes auch ganz vornehmlich um eine sprachliche Frühförderung geht, belegen Regelungen aus anderen Bundesländern.

So hat beispielsweise Nordrhein-Westfalen zum 01.08.2007 die Überwachung der Sprachentwicklung von Kindern ganz massiv nach vorne verlagert und § 36 Abs. 2 SchulG wie folgt neu gefaßt:

"Das Schulamt stellt zwei Jahre vor der Einschulung fest, ob die Sprachentwicklung der Kinder altersgemäß ist und ob sie die deutsche Sprache hinreichend beherrschen. Ist dies nicht der Fall und wird ein Kind nicht in einer Tageseinrichtung für Kinder sprachlich gefördert, soll das Schulamt das Kind verpflichten, an einem vorschulischen Sprachförderkurs teilzunehmen. Hierdurch soll gewährleistet werden, daß jedes Kind vom Beginn des Schulbesuchs an dem Unterricht folgen und sich daran beteiligen kann."

Es liegt auf der Hand, daß sich die Norm politisch vor allem an Kinder mit Migrationshintergrund richtet, deren Schuleinstieg nicht an Sprachdefiziten scheitern soll.

Bemerkenswert ist, daß die Teilnahme an einem Sprachförderkurs vor Schulbeginn verpflichtend ist. So sehr man die Regelung als politisch wünschenswert halten mag, erscheint dies rechtlich durchaus bedenklich, da die Verpflichtung zu Sprachförderungsmaßnahmen bereits vor Beginn der Schulpflicht erfolgen soll. Ob dies grundrechtskonform möglich ist, dürfte rechtlich keineswegs eindeutig sein.